Bestallungs Urkunde Johann Lichwer 1591 Riga
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1. WIR Burgermeister und Rath der Koniglichen Stadt
2. Riga Thun kundt zeugen und bekennen Hiermit vor
3. Manniglichen, da wir den Erbarn unnd Kunstreichen
4. Johannem Richterehr auff sein instendiges anhalten
5. fr unseren **Instrumentisten** und Spielman bestellet
6. auff und angenommen, Inmassen er dan hiemit an-
7. genommen und bestellet sein soll Nemblich dieser
8. gestalt, und also, da er vorerst nebenst guten und
9. wohlgebten gesellen, in der Canterey in beiden Kirchen
10. mit geberlichen **Instrumenten** in der zeit sich soll
ge-
11. brauchen und finden lassen. Zum andern, das er auff
12. den Gildestuben zun Hochzeiten und auff dem V_ren-
13. hause wie es gebrauchlich sich verhalten, Zum dritten,
14. das er mit allerley lieblichen seitenspiell Zu ieder
15. Zeit wan es begerrl[ich] wirdt auffwarten und sich horen
16. lasse[n], Zum Vierdten, das er auff dem Sanct
17. Peters Turm den gantzen tagk, sovohl die gantze nacht
18. Zum Vleissigsten wacht halten, und zu eines ieden
19. stu[n]de nach dem Klockenschlage mit der Dramme-
20. ten sich melden soll. Zum fnfften soll er Zu an-
21. gehender nacht und angehenden tagk ein Kristlich
22. liedt oder sonsten **duum** oder **trium Vocum**
Abspielen
23. Zum Sechsten, soll er auch in der Woche Drey tage
24. als den Sontagk, Dingstagk und Donnerstagk
25. zu beiden Wachtzeiten mit **Instrumenten** vordem
26. Klockenschlagk und nach dem Klockenschlage mit
27. allen dremmeten[,] so starck er in der Geselschafft
28. ist, abblaen, und sonsten die andern tage den
29. alten gebrauch nach sich verhalten, zum Sie-
30. benden, So feurr /: das Gott verhte :/, entstnde
31. soll er[,] alsbalt er lochen ausschlagen siehet, mit der
32. Drammeten solchanns melden, und darnach baldt
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1. da es bey Sommers Zeiten ist, eine rote Fahne,
2. bei Winter Zeiten aber eine brennende La-
3. terne /: Zu welche beheist er die gewohnlichen
4. Drey List Lichte, Vom Cemmer fordern und
5. empfangen soll :/ ahn einer stangen, auf dem
6. selben orth der Stadt, da das feuer ist, ahn Thurm
7. heraus hangen Auff das sich das Volck worhin
8. es Zuretten lauffen soll, Darnach zurichten habe,
9. Zum Achten, soll er das pelt und die Stadt herumb-
10. her, in _cht haben, Und da er feinde oder andere
11. Reiter uernimbt, soll er die selben uber
12. zellen, und so zehen oder mehr Verhanden, soll er
13. solches mit der Drommeten melden, So aber uber
14. Dreystig weren, soll er ein gewonlich Pelt ge-
15. schrey machen, und solches anbringen, wolches dan
16. der Burgershafft sich darnach zurichten, soll
17. Kundt gethan werden, Zum Neundten, soll er
18. alle nacht selbst oder einer von seiner gesellen,
19. der dartzu duchtig ist, sich nuchtern auf den Thurm
20. finden lassen, und da des fals von seinen ge-
21. sellen etwas verseumet wurde, soll er selbst
22. darin gehalten, und darfur zuandt wortem
23. schuldig sein, Zum zehenden, da mahn freunde
24. Hu einholen oder bekeiten wirdt, soll er in der
25. Persohn san_t seinen gesellen /: iedoch das der Thurm
26. nicht lehrstehe :/ mitreiten, und die Trom-
27. meten blassen, und wehre es sache, das in kriegt
28. zeiten (. so godt gnedigst abwende :/ die Stadt
29. etzliche Reuten ausserhalb der Mawren,
30. Zum Scharnutzell oder sonsten auch zu selde
31. schicken muste, Als soll er zu solchen Zugen
32. und aussfall in eigener Persohn /: eb __chrealrn
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1. das sich einander gutwillich fuer ihne dartzu wolte
2. gebrauchen lassen / ohne alle ausrede und behelst
3. gebrauchen lassen. Hierentiehen haben wir
4. ihnne vor beide Dienste eins vor alle zugesagt
5. und versprochen, Erstlich eine freye behausung
6. auf dem Thurm, Da Eberdt gewohnet und alle
7. Jahr Sechs Hundert marck Rigisch, nebenst einen
8. Engelischen Wandes Kleidung auf ihn und alle Per-
9. sonnen so vorgesellen bestehen muegen, Und soll
10. er von dan Sechs hundert marcken, alle quar-
11. tall anderhalb hundert marcken durch den_h_Tem-
12. mern, Von untengeschriebenen **Dato** anzurechnen
13. Zu empfangen, und so er sich wohlhalb, auf seine
14. Persohen noch funftzigk marck darzu Schrlich
15. zuhaben mechtig sein, Zum anderen, soll er von
16. ieder Hochzeit aussen grossen Guildestuben neh-
17. men Dreyszigk marck, und uber die Dreyszig ist
18. nebenst dem gewonligen go___ Pfennimge, nemblich
19. Sechs marck, niemandts beschreren, oder ubersetzen,
20. Imgleichen vom Kleinen Guildestuben Wan mit dem
21. fullen spiele gespielet wendt, auch dreyszig marck,
22. Und wan wir befinden, das gedachter Johannes
23. Lichtwer mit den nothdurfftigen Leutten als Magden
24. und dienst gesinde, uschen Hochzeiten ueben ein
25. billichs zu spielen sich nicht areigern wirdt, und die-
26. selben nicht uebersetzen wollen wir die verschung
27. thun, dass ihne von fremdten SpielLeuten kein
28. eintrangk geschehen soll, Zum Dreitsen, soll er
29. der Dreyen w__bgaenger einfuchtig durch die gantze
30. Stadt nach dem selten, als auff Wienachten, Ostern
31. und Pfingsten, Wie dan auch der Freiheit nach
32. gemachter ordtnunge rufen Newem hause und
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1. alle Freiheit Privat und offendlichen gelagen
2. und gastgeboten Zugeniessen haben, und der
3. Stadt unpflicht frey sein, iedoch dass er sich keine
4. burger narung zu uben unterfange zum Vierdten
5. soll ihm frey sein, wen alhie nichts zuthun /: iedoch
6. das nicht destoweniger der Thurm bey tag und
7. nacht zum _leissigsten _erschen, und sonsten
8. anden worzu er sich versflichtet Kein man-
9. gell erspueret werde :/ vermittelst das h_ wordt-
10. habenden Burgermeisters erlaubnus auf den
11. Landtkosten gebrauchen zu lassen, aber ohne des
12. wordthabenden Burgermeisters zulass, sich auss
13. der Stadt keines weges zubegeben. Uhrkundtlich
14. mit unseren Stadt **Secret** Siegell befestigtt
15. **Datum** _stern **Anno** Ein tausent funffhundert
16. ein und Neundzigt.
17. Johannes Lichtwerr
18. Bestallungs abschrifft
Transcription
Paul Madgwick
Munich 1995